TFN-Records
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Das Tagebuch - Tomko Kemmerling
Von: Jesus Merchandising (2002), Dauer: 5:55

Die Geschichte dieses Songs ist sehr, sehr traurig. Tomko Kemmerling kam, lange nachdem wir unsere Zusammenarbeit mit ihm beendet hatten, in mein Büro und sagte mir, er wäre ein “Ralf”. Ich wusste damit nichts anzufangen und er antwortete, er hätte es zu Anfang auch nicht verstanden. Er sagte mir, er wüsste nur, dass er ein “Ralf” sei. Ich hatte so etwas schon lange bei Tomko befürchtet und rief die Polizei, die ihn in eine spezielle “Ralf”-Anstalt brachte.
\r\nAm nächsten morgen wurde er von zwei Anstaltsmitarbeitern in mein Büro geführt und er sagte, er müsse einen Text veröffentlichen, den er in der Nacht geschrieben hatte. Er verlangte dafür einen Hintergrund bestehend aus einer Mischung von Ambient-, Techno- und Crossover-Metal-Musikmotiven. Ich rief Egge an und er kam sofort. Wir produzierten in fünf Minuten einen Hintergrund, stellten Tomko ins Studio und schlossen die Tür ab. Er sprach den Text mit nur einem Versuch, ohne einen einzigen Fehler ein. …
Die Geschichte dieses Songs ist sehr, sehr traurig. Tomko Kemmerling kam, lange nachdem wir unsere Zusammenarbeit mit ihm beendet hatten, in mein Büro und sagte mir, er wäre ein “Ralf”. Ich wusste damit nichts anzufangen und er antwortete, er hätte es zu Anfang auch nicht verstanden. Er sagte mir, er wüsste nur, dass er ein “Ralf” sei. Ich hatte so etwas schon lange bei Tomko befürchtet und rief die Polizei, die ihn in eine spezielle “Ralf”-Anstalt brachte.
\r\nAm nächsten morgen wurde er von zwei Anstaltsmitarbeitern in mein Büro geführt und er sagte, er müsse einen Text veröffentlichen, den er in der Nacht geschrieben hatte. Er verlangte dafür einen Hintergrund bestehend aus einer Mischung von Ambient-, Techno- und Crossover-Metal-Musikmotiven. Ich rief Egge an und er kam sofort. Wir produzierten in fünf Minuten einen Hintergrund, stellten Tomko ins Studio und schlossen die Tür ab. Er sprach den Text mit nur einem Versuch, ohne einen einzigen Fehler ein.
\r\nDanach wurde er von seinen Anstaltswärtern wieder zurückgebracht. Sie schrieben mir noch eine E-Mail mit der Nachricht, dass Tomko voraussichtlich nie mehr entlassen werden könnte. Die böse Macht “Ralf” hatte zu sehr Besitz von ihm ergriffen und dafür gäbe es kein Heilmittel.
\r\nEgge und ich hatten ihn ja nie wirklich gemocht, aber die Tatsache, dass er jetzt ein “Ralf” geworden war, schockte uns schon und machte uns Angst, dass ein “Ralf” vielleicht ansteckend sein könnte. Dabei erinnerte ich mich daran, wie ich einmal mit Tomko, während einer Probe, aus demselben Glas getrunken hatte. Diese Angst ist mittlerweile allerdings völlig verflogen. Eher hat sie sich in Mitleid verwandelt, denn die Ärzte sagten uns, dass man einen “Ralf” schon genetisch in sich hat und, dass dieser nur ausbrechen kann, wenn man es auch wolle. Man könne ihn zwar bekämpfen, aber dafür musste man ihn früh erkennen.
\r\nFür Tomko kommt wohl jede Hilfe zu spät, aber bald wird es eine TFN-Anti-“Ralf”-Aufklärungskampagne an deutschen Schulen geben, dann ein “Ralf” kann am besten im schulfähigen Alter bekämpft werden.\r\n

\r\nAlso:
\r\nGebt “Ralf” keine Chance!
\r\nStark, statt “Ralf”!
\r\nOhne “Ralf” geht”s auch!
\r\n(Peter)


Lyrics:
Liebes Tagebuch,
heute bin ich wieder neben meiner Frau aufgewacht, die mir - wie bereits öfter erwähnt- schon seit Jahren nicht mehr gefällt. Ich bin also ganz schnell aufgestanden und ins Bad gegangen, damit ich sie nicht mehr sehen muss.
Liebes Tagebuch,
heute bin ich wieder neben meiner Frau aufgewacht, die mir - wie bereits öfter erwähnt- schon seit Jahren nicht mehr gefällt. Ich bin also ganz schnell aufgestanden und ins Bad gegangen, damit ich sie nicht mehr sehen muss.
Als ich in den Spiegel gesehen habe, ist mir aufgefallen, dass Brigitte Recht hatte. Mein Haaransatz geht wirklich zurück. Genau genommen, geht er mir den Nacken herunter.Das heißt für mich, dass ich jetzt auf der Sonnenbank anfangen muss, meinen Kopf nachzubräunen, um überall auf demselben Level zu sein.
Ich bin dann - wie immer - in meine Sportleggins gehüpft und bin einfach losgelaufen. Das befreit und ist gut fürs Charisma. Danach habe ich geduscht. Die Alte war zum Glück schon weg. Dann habe ich mal in die Zeitung geschaut, was ich alles in mein neues Stück einbauen kann. Ich hab” nämlich die Idee. Ich baue ein paar Anachronismen ein. Zum Beispiel könnte Woyzeck genmanipulierte Erbsen essen.
Ich hab mich dann rasch angezogen. Die rote Hose und das blau-grün-gelb gestreifte Oberteil mit dem Reißverschluss am Hals. Darüber dann das schwarze Jackett. Passt prima zu den weißen Sportschuhen. Nur dumm, dass ich wieder die bunte Regenjacke anziehen musste. Die macht mich irgendwie uncool. Ich musste dann die alte Brille aufsetzen, weil die neue war kaputt. Nein. Weil die neue kaputt war. Entschuldigung, liebes Tagebuch.Ich bin dann mit dem Fahrrad zur Schule gefahren. Ziemlich schnell. Bin ja schließlich in Form. Ich bin sogar so schnell gefahren, dass ich anhalten musste, um die Baseballkappe oder das BaseballCap, wie es als Anglizismus eigentlich heißen müsste, aufzuheben, weil ich sie verloren hatte. Wurde ziemlich kalt da oben. Dann kam auch noch einer von meinen Schülern und meinte, er müsse mich mit dem Fahrrad zu einem Rennen herausfordern. Bin aber nicht darauf eingegangen. Macht mich irgendwie unnahbar.
Ich hab dann einem Schüler durch einen indirekten Sprechakt klargemacht, dass er mir die Tür aufhalten soll. Hat gut geklappt. Bühler wäre stolz auf mich.
Und mir ist schon wieder aufgefallen, dass die Schüler mich kaum grüßen. Woran liegt das? Nur weil ich sie nicht grüße?
Und schon merkt man wieder den Einfluss von Big Brother. Überall, wo ich hinkomme, singen die Leute “Es ist geil ein Arschloch zu sein”. Dagegen muss ich etwas tun. Vielleicht eine abfällige Bemerkung über Big Brother im “Woyzek”. Zur Marie würde das doch passen. Schließlich ist die eine waschechte Schlampe. Ich weiß auch schon, wen ich die Marie spielen lasse. Aber das sage ich dir erst morgen, liebes Tagebuch.
Die ersten beiden Stunden musste ich diversen Fünferklassen wieder Geschichte geben. Diese Idioten verstehen einfach gar nichts. Aber die sind ja noch jung. Ich kann sie also nach meinen Maßstäben umerziehen.
In der ersten Pause ist mir aufgefallen, dass der Hartmut immer gegrüßt wird. Wieso kommt der besser an als ich? Weil der netter ist? Ach quatsch. Ich würde sagen, dass ich vom Aussehen her der beste der Schule bin. Ach quatsch. Überhaupt.
Die Redlev aus der Oberstufe war auch schon wieder bei mir. Die wollte um ihre Versetzung betteln. Hab sie einfach ignoriert. Schließlich wollte der Lirwick-Fargow auch mit mir reden und dessen Eltern sind immerhin schon seit einem halben Jahr im Pflegschaftsvorstand. Dann hatte ich wieder die Zwölfer in Deutsch. Hatte keinen Bock die Stunde vorzubereiten. Hab sie einfach über den Zustand des Klassenraums zusammengeschissen und dann irgendeinen Prometheus-Exkurs eingeschoben. Dann waren die ruhig. Vor allem die Nruba. Für die geht”s ja auch um die Versetzung. Ich glaub” die lad” ich mal ein, um über die Note zu beratschlagen. Schließlich ist meine Alte übers Wochenende weg. Den kleinen schick” ich zu Mama. Natürlich hab” ich mir sofort in den Kalender eingetragen, dass die Nruba kommen wird. Dann muss ich aber noch Wein kaufen. Ich glaub” ich nehm” wieder den mit 16%. Das hat das letzte mal auch funktioniert.
Naja, und dann hatte ich noch ein kleines Wortgefecht mit der Meike. Hab sie völlig fertig gemacht, so “wo kommst du denn her?” und so. Mit Sprüchen bin ich einfach überlegen. Aber das ist lange noch kein Grund sofort loszuheulen. Schließlich ist die schon dreizehn Jahre alt.
Dann bin ich zur Sonnenbank gefahren. Ohne mich vom Kollegium zu verabschieden. Die sind ja auch immer nur nett zu mir, wenn die irgendwas wollen. Hab mich erst mal auf meine Lieblings-Höhensonne geschwungen und richtig ausgespannt. Dann musste ich aber auch schnell los. Die Geschäfte haben schließlich nur bis acht auf und ich musste schließlich noch einen Kamm holen. Du weißt ja, die Knoten auf den Schulterblättern.Dann habe ich mir die Videokamera geschnappt und weiter meine Alternativegos geübt. Mein Goebbels ist schon richtig echt.Na ja. Und jetzt liege ich hier. Aber ich bin doch ziemlich müde und schließlich brauche ich meinen Schönheitsschlaf.Gute Nacht, liebes Tagebuch

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