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Bestudentet [Teil 4 der Poets-Forschung] - Die Literary Club-Poets
Von: oxilo (2010), Dauer: 5:04

21.09.2000: Ich hatte es befürchtet. Mr X hat sich weiterhin nicht gemeldet. Ich besuchte ihn in seiner Wohnung in [Anm. d. TFN: diese Stelle ist g…21.09.2000: Ich hatte es befürchtet. Mr X hat sich weiterhin nicht gemeldet. Ich besuchte ihn in seiner Wohnung in [Anm. d. TFN: diese Stelle ist geschwärzt und dadurch unlesbar], aber sie war vollkommen durchwühlt und er war verschwunden. Es war als habe er flüchten müssen. Ich bin beunruhigt. Vielleicht hat es etwas mit unserem Musikstück zu tun. Ich reise morgen wieder zurück.

28.09.2000: Ich habe nach den acht anderen ehemaligen Mitgliedern der Club-Poets gesucht. Drei sind verschwunden. Die anderen haben Angst, genau wie ich. Scheinbar hat jemand etwas dagegen, dass ich perfekte Musikstücke mache. Aber ich harre der Gefahr. Ich bin in jetzt in einem Versteck. Ich habe mir genügend Nahrungsmittel gekauft und bin verreist. Niemand weiß, wo ich bin. Ich muss es wieder tun. Ich muss einen perfektes Musik-Stück kreieren. Aber dafür brauche ich Hilfe.

12.10.2000: Die Zeit hier tut mir gut. Die verschwundenen Kollegen machen mir schon fast nichts mehr aus. Ich schreibe jeden Tag an dem perfekten Musik-Stück. Es läuft wieder besser. Die Melodie habe ich schon, aber der Text macht mir Schwierigkeiten.

21.10.2000: Kein Durchbruch bisher. Die Melodie steht vollkommen und ist bereits perfekt. Aber der Text will nicht funktionieren. Ich verstehe es nicht. Ich habe ein Verlangen, nach Paris zu fahren. Ich verstehe nicht warum.

27.10.2000: Ich bin in Paris und es geht mir wieder besser. Ich war richtig krank in den letzten Tagen. Es ist als ob mich die Stadt unter Androhung, mir meine Lebenskraft zu entziehen hierher gezogen hätte. Jetzt, seit ich ihrem Befehl folge geleistet habe, bin ich wieder völlig vital. Ich habe ein kleines Hotelzimmer an der Seine.

3.11.2000: Ich habe jemanden gefunden. Die Schmerzen haben mich wie von Geisterhand zu ihm getrieben. Ich sprach ihn nachts auf einer dunklen Straße in Montparnasse an. Er muss sich erschrocken haben. Ich sehe hager aus und bin ungepflegt, denn ich habe seit Tagen nichts essen können. Rastlos lief ich durch die Straßen von Paris, die Docks und die alten Bahnhöfe. Gestern Nacht traf ich ihn dann. Ich sagte ihm, dass es um ein perfektes Stück Musik gehen würde und dass ich einen Text dafür von ihm brauchte. Außerdem ließ ich ihn wissen, dass es wahrscheinlich am besten wäre, wenn ich seinen Namen nie erfahren würde, aber er bestand darauf, dass ich ihn aufschreibe in diesem Buch. Und am besten auch in der Zeitung, falls wir berühmt werden sollten.

10.11.2000: Es war eine furchtbare Zeit für Dedolf. Er hat geschrieben wie ein besessener. Die ganze letzte Woche hat er kaum geschlafen. Jedes mal wenn er sich hinlegte wurde er von Einfällen heimgesucht, die seinen Körper krampfartig durch das Zimmer warfen und ich musste alles für ihn aufschreiben, denn er schaffte es in seiner Agonie nicht. Elektrisches Licht ist zu hell für ihn und ich fürchte die Sonne könnte ihn umbringen. Ich habe die Fenster verdunkelt und schreibe – nur im Schein einer Kerze - weiter für ihn.

16.11.2000: Gute Nachrichten. Ich habe Dedolf die Agonie von der Seele geschrieben. "Bestudentet"ist fertig. Dedolf geht es auch langsam besser. Er hat mir gestanden, dass er sich die Arbeit an diesem Projekt anders vorgestellt hatte. Ich beschloss, ihm zu verschweigen, dass drei der Gründungsmitglieder dieses Projektes bereits verschwunden sind. Jetzt muss ich einen Sänger suchen, um dieses Musikstück zu singen und aufzunehmen.

17.11.2000: Rückschlag. Dedolf wollte wieder seiner Karriere als Dichter in Pariser Hinterhofkneipen nachgehen, ist aber wieder schwer von Krämpfen erschüttert worden. Ich habe schlimme Befürchtungen, dass er die Nacht nicht übersteht. Ich habe in Paris gesucht, habe aber noch keinen Sänger gefunden. Heute Nacht bleibe ich hier und wache über Dedolf.

21.11.2000: Ich habe ihn gefunden. Es ist Dedolf selbst. Er muss den Song singen. Sobald ich ihm sagte, dass er es tun könnte, sagte er mir, dass er so etwas schon einmal gemacht hatte. Bei einer Musikfirma in Deutschland. In dem Moment, in dem ich ihm anbot, "Bestudentet" zu singen, sagte er zu.
Immer noch keine Spur von den vermissten Gründungsmitgliedern. Ich frage mich langsam, ob es mit unserem Schwur zu tun hat.

25.11.2000: Es geht Dedolf immer besser. Wir haben angefangen, das Stück zu proben.

18.12.2000: Dedolf hatte die Idee, nach Berlin zu reisen und in den Aufnahmestudios "Bestudentet" aufzunehmen, in denen er schon einmal gearbeitet hatte [Anm. d. TFN: hierbei muss es sich um unser altes Studio handeln. Dedolf hatte schon einmal bei uns etwas aufgenommen und unser Studio befand sich zu dem Zeitpunkt in Berlin. Es werden weitere Hinweise darauf folgen]. Im Schutze der Nacht sind wir also nach Berlin gereist. Es ist winterlich kalt, es schneit und wir kämpfen uns den Weg durch die eisige Luft.

23.12.2000: Morgen gehen wir heimlich in das Studio, das Dedolf in Berlin kennt. Wir haben niemandem Bescheid gesagt. Dedolf hat ein Schlüsselbund gestohlen und so werden wir uns Einlass verschaffen [Anm.d. TFN: hier ist ein weiterer Hinweis. In der Nacht vom 23.12. auf den 24. rief mich Egge an und war völlig aufgelöst, dass er seinen Schlüssel verlegt hatte]. Wir werden die Aufnahme bei Nacht machen, wenn alle anderen verschwunden sind.

25.12.2000: Es ist vollbracht. Dedolf hat sich vollkommen erholt und ist bereits wieder auf dem Weg nach Paris, um als Dichter weiter zu arbeiten. Das Stück ist fertiggestellt. Wir haben es heimlich gestern Abend aufgenommen. Es ist ebenfalls perfekt. Jetzt habe ich nicht einmal den Text selbst geschrieben, sondern das jemand anderem überlassen. Ein Durchbruch für die Forschung. Ich kann immer mehr abgeben, ohne dass es an Perfektion mangelt. Wir haben den Schlüssel in den Briefkasten geworfen. [Anm. d. TFN: Hier ist der letzte Hinweis. Egge fand den Schlüssel am 27.12. im Briefkasten wieder und wir waren überzeugt, dass er ihn verloren hatte, als ich ihn zum Post holen schickte.]

26.12.2000: Jetzt ist auch noch Hans-Peter verschwunden. Das ist schon der vierte, der plötzlich verschwindet. Jetzt bin ich wirklich beunruhigt.
(Olaf)


Lyrics:
Es ist eine wahre Fundgrube,
für große und kleine Naturforscher …
Es ist eine wahre Fundgrube,
für große und kleine Naturforscher
Lokomotiven, Schienenstränge verliefen mehrere Meter tiefer
doch je stärker die Lokomotiven wurden desto mehr Wagons
konnten sie ziehen und die Bahnsteige wurden zu kurz
und in der Dämmerung wirkt sie fast wie eine orientalische Moschee die Basté

Ein Farbenspiel der Kapelle
während ihrer zweijährigen Bauzeit des äh der Eisenkonstruktion
gab's Topmode zum kleinen Preis und die
emailierten vergoldeten Eisen des 17. Jahrhunderts
wurden von Hieronimus Bosch
westlich vom Karpfenteich erstreckt
und der Rundblick der Rebenspaliere und des erbauten Kanals

Ich sprach drei Sprachen des klassischen Altertums
aber ich kam nicht mit der berühmtesten Bewohnerin in zwei Hälften und Gartenarchitekten

Doch je länger die Eisenbahnen wurden
desto mehr Wagons konnten sie ziehen
und die Bahnsteige wurden zu kurz
und der Fernverkehr endgültig eingestellt
doch chronologisch wirkt die mächtige Bauarbeit
zum Prachtbahnhof eine ernste Ausschreibung
schließlich wurde die Hochburg des Champs Elysées
Wissenschaft und Kultur
Wissenschaft und Kultur und Bildung
Wissenschaft und Kultur und Bildung
Wissenschaft und Kultur und Bildung
Wissenschaft und Kultur und Bildung
Wissenschaft und Kultur und
Bildung

20.000 Studenten wollen beschult bestudentet werden
jeden Tag jede Nacht und jederzeit
und deshalb
sind die Eisenbahnen wichtig denn sie müssen sie hierhin bringen
für umsonst
und dann können sie beschult werden
und sich in der Brasserie ein paar Brötchen holen
und mit diesen Brötchen können sie aus dem Bahnhof gehen
und in die
Universitä

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